Aufgeheizte Badeseen im Landkreis Rosenheim: Wie steht es um die Qualität des Wassers?


Warmer weather in Rosenheim, Germany, is increasing water temperatures in local lakes, leading to concerns about water quality and potential health risks from increased algae and other microorganisms.
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Lungenentzündung, Larven unter der Haut: Das lösen die heißen Temperaturen in Badeseen aus

Stand: 03.07.2025, 05:43 Uhr

Von: Sophie Mischner

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Das Thermometer steigt immer höher und auch die Seen werden immer wärmer: Welche Risiken bringt das mit sich? © Sophie Mischner und IMAGO / Zoonar

Hitze, Hitze, Hitze und das schon lange: Da will man eine Abkühlung. Die heimischen Seen laden ins kühle Nass ein. Doch auch in den Gewässern steigt durch die andauernde Wärme die Temperatur. Welche Auswirkungen die Hitze auf die Seen haben kann und welche Gefahren für Badegäste dadurch drohen.

Rosenheim - Es ist heiß. Schon seit Tagen hat eine Hitzewelle weite Teile des Landes fest im Griff. Vor allem am Mittwoch (2. Juli) wurden mancherorts Temperaturen bis an die 40 Grad erwartet. Wer auf der Suche nach ein bisschen Abkühlung war und nicht gerade einen Pool im eigenen Garten hat, holte sich die Erfrischung in einem der vielen Seen im Landkreis Rosenheim. Doch wie frisch und gut sind die Badegewässer nach den Hitze-Tagen noch?

Schließlich wollen schon einige Badegäste am Simssee einen unangenehmen Geruch wahrgenommen haben, der vom See ausging. Wie das Staatliche Gesundheitsamt auf OVB-Anfrage mitteilt, gab es keine Auffälligkeiten bei der letzten Messung der Wasserqualität des Simmsees. Der angebliche Gestank sei auch für die Behörde neu. „Das Staatliche Gesundheitsamt wird dem Hinweis aber nachgehen“, heißt es weiter.

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Denn die Badeseen werden regelmäßig auf ihre Qualität geprüft. „In der laufenden Badesaison 2025 wurden die EU-Badestellen der Region bereits zu drei verschiedenen Zeitpunkten beprobt“, teilt Sibylle Gaßner-Nickl vom Landratsamt Rosenheim auf Anfrage mit. Die Kontrollen erfolgen alle vier Wochen. Dabei stellt sie auch klar: „Die Experten bescheinigen den Badeseen in Stadt und Landkreis Rosenheim durchwegs eine hervorragende mikrobiologische Qualität.“ Das sei auch bei den letzten Messungen der Fall gewesen.

Diese sein bereits am 16. oder 24. Juni vorgenommen worden. Beide Termine liegen also vor der langen Hitzephase. Inwieweit die Wassertemperatur in Badeseen in den vergangenen Tagen gestiegen ist, liegt dem Landratsamt daher nicht vor. Dass aber die Temperatur in den Seen gestiegen ist, zeigt ein Blick auf den Chiemsee.

Es ist warm und das überall - auch in unseren Seen: Hier ein Überblick, wie es um die Wassertemperatur einiger Badeseen aus der Region steht. © Verena Klinger

Das Bayrische Landesamt für Umwelt misst durchgehend die Temperatur des Chiemsees in Prien-Stock. Vom 25. Mai bis zum 2. Juli hat sich die Temperatur um ganze sechs Grad erhöht. Die Wassertemperatur beträgt laut der aktuellen Messung 26,4 Grad. Am 1. Juli hat der Chiemsee laut Messungen des bayrischen Landesamts für Umwelt seine bisherige Höchsttemperatur mit 27,3 Grad erreicht. Doch welche Auswirkungen haben die gestiegenen Temperaturen für das Wasser – und damit auch für Badende?

Eine Rolle spielen die Bakterien. Schaut man sich den Simssee an, findet man dort im Wasser Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt. Ein Schild am Baierbacher Badestrand weist auf den Algenwuchs hin. Bereits Ende Mai war ein roter Teppich aus den Blaualgen auf dem Simssee und die Algen haben jetzt noch bessere Bedingungen, um sich auszubreiten. Denn hohe Wassertemperaturen können den Sauerstoffmangel im See verstärken. In solchen Fällen spricht man auch oft davon, dass das Wasser „kippt“. Das weiß auch Klaus Moritz vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und erklärt, dass so mehr Algen im See sind als sonst: „Warme Temperaturen fördern das Wachstum von Algen, insbesondere von schädlichen Altgenarten, die toxische Substanzen produzieren können.“

Es kann schwere Folgen haben

Diese toxischen Substanzen können dem Menschen gefährlich werden, denn „bei Kontakt oder Verschlucken der Bakterien treten oft Haut-, Atemwegs- und Magen-Darm-Reizungen auf“, warnt Dr. Michael Iberer. Er ist Hausarzt und gleichzeitig Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbands Rosenheim. Laut ihm können durch den geförderten Wachstum der Algen gesundheitliche Risiken entstehen. Der Mediziner betont, dass die Vorfälle mit den Bakterien zwar meist mild sind, aber trotzdem auch schwere Reaktionen – zum Beispiel eine Lungenentzündung – auftreten können.

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Aber nicht nur die Blaualgen vermehren sich bei der warmen Wassertemperatur hervorragend, sondern auch andere Mikroorganismen und Zerkarien, auch Saugwurm-Larven genannt, nutzen laut Iberer die warmen Bedingungen. Das kann ebenfalls gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Diese Saugwurm-Larven können „beim Baden in die Haut eindringen und die sogenannte ‚Schwimmkrätze‘ verursachen“, erklärt Iberer. Das heißt, die Larven dringen in die Haut ein, sterben dort ab und lösen juckende, rötliche Pusteln aus. Das kann bis zu mehrere Tage anhalten.

Augen auf beim Baden

Das Gesundheitsamt empfiehlt vor dem Schwimmen das Wasser in Augenschein zu nehmen. Ist das Wasser grünlich-trüb oder rötlich-trüb? Schwimmt eine grüne, Schlieren ziehende Schicht auf der Oberfläche? Ist das der Fall, sollte man das Wasser nicht schlucken, warnt das Amt. Außerdem empfehlen sie, nach dem Schwimmen die Badesachen zu wechseln und sich mit einem Handtuch abzureiben.

Ähnlich sieht es auch Michael Iberer. Sollte man am See doch mal mit den Blaualgen in Kontakt kommen, empfiehlt er gründlich zu duschen und bei Symptomen wie Hautreizungen, Übelkeit oder Atemprobleme ärztlichen Rat einzuholen. Außerdem betont er, dass auch Haustiere von dem betroffenen Wasser ferngehalten werden sollen.

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