Schönau am Königssee: Verzögerung bei Bauarbeiten an Bob- und Rodelbahn


Construction delays at the Königssee bobsleigh and luge track have sparked controversy, with investigations underway to determine responsibility and potential compensation.
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Bobbahn-Chaos am Königssee: Wer ist für die Panne verantwortlich? Landrat prüft Schadensersatz

Stand: 27.07.2025, 12:18 Uhr

Von: Marcel Sowa

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Noch ein weiteres Jahr müssen sich alle Sportler und Fans gedulden, bis die Kunsteisbahn am Königssee wieder in Betrieb gehen kann. © picture alliance / dpa | Tobias Hase

Wer trägt die Verantwortung für die Verzögerung bei der Bob- und Rodelbahn am Königssee? Während der Kreistag eine Aufklärung verlangt, kündigt Landrat Bernhard Kern eine juristische Überprüfung auf Schadensansprüche an. Wie jetzt bekannt wurde, sind die Probleme an den Kühlleitungen schon seit März bekannt. Doch wieso wurde nicht früher reagiert? Auch dazu gibt es neue Details.

Schönau am Königssee/Berchtesgadener Land - Im gesamten Landkreis war die Vorfreude auf den Winter 2025/26 groß: Endlich sollten hier an der Kunsteisbahn am Königssee wieder Wettkämpfe stattfinden. Vier Jahre Warten sollten ein Ende nehmen, doch Mitte Juli folgte der große Schock: Die Bauarbeiten verzögern sich, weil die Kältemittelfernleitung im unteren Bereich der Bahn doch erneuert werden muss. Nicht nur der Landkreis als Eigentümer der Bahn bedauerte diese Entwicklung, auch Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp sowie der Bob- und Schlittenverband Deutschland zeigten sich geschockt. Am Freitag (25. Juni) versuchte Landrat Bernhard Kern (CSU) etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Dem Kreistag erklärte er, dass der komplette Austausch der Kältemittelleitungen auf rund 1250 Metern Länge der ursprünglichen Planung widerspreche, die auf einem TÜV-Gutachten mit einer positiven Prognose aus dem Dezember 2021 basierte. „Ursprünglich sollten lediglich 575 Meter Leitung im oberen Bahnbereich erneuert werden“, so Kern. Die zusätzlich zu erneuernden Leitungen waren keinem nennenswerten Gerölleintrag ausgesetzt und erlitten durch das Hochwasserereignis keine augenscheinlich sichtbaren Beschädigungen, wie aus dem TÜV-Gutachten hervorgehe.

Späte Auftragsvergabe für Kühltechnik

Wie der Landrat ausführte, verursachten auch die zahlreichen Abstimmungen mit dem Fördergeber eine Verzögerung der Arbeiten. Deshalb konnte erst im November 2024 eine Firma mit den Arbeiten an der Kältetechnik beauftragt werden, wie er erklärte. Dazu gehörte auch die Prüfung der Leitungen im unteren Bahnbereich. Mitte Dezember 2024 wurden damit begonnen, die Leitungen oberhalb der Kurve K11 zu demontieren.

„Aufgrund erforderlicher klimatischer Bedingungen“ konnten die unteren Leitungen erst nach dem Winter am 27. März 2025 geprüft werden, woraufhin die Beschädigungen an den Schweißnähten festgestellt wurden. Ironischerweise genau an dem Tag, an dem der Landkreis Pressevertreter zu einem Termin an die Bahn eingeladen hatte, um die Fortschritte der Bauarbeiten vorzustellen.

Landrat Bernhard Kern erklärte, wie es zur Verzögerung kam. © kp

Erst am 11. Juli endgültige Klarheit

„Zu diesem Zeitpunkt waren die Ergebnisse und die Auswertung des TÜV noch nicht bekannt“, versicherte Landrat Kern. Die Regierung von Oberbayern sei umgehend darüber informiert worden. Zudem folgte noch im März eine sofortige Überprüfung, ob eine Sanierung oder ob eine Erneuerung der Leitungen schneller umzusetzen sowie finanziell günstiger wären. „Als Ergebnis zeigte sich nach umfangreichen Abstimmungen, dass keine der beiden Varianten schneller als die andere umzusetzen wäre, und dass es wirtschaftlicher ist, die Leitung zu erneuern.“

Die Regierung von Oberbayern, welche die Fördermittel vom Bund steuert - insgesamt geht es um 53,5 Millionen Euro -, erkannte zwar die zusätzlichen Maßnahmen als förderfähig an. Doch erst zum 11. Juli 2025 kristallisierte sich heraus, dass es mit dem Start der Kunsteisbahn in diesem Jahr nichts mehr wird. Kern nannte „die begrenzte Verfügbarkeit spezialisierter Rohrleitungsbauer, das erforderliche Temperaturfenster für die Durchführung der Arbeiten und der Umfang der zusätzlichen Arbeiten“ als Gründe für diese Entscheidung.

„Komplexe juristische Prüfung“

„Die Arbeiten werden nun mit Hochdruck weitergeführt“, betonte der Landrat. Die Vereisung sei ab Herbst 2026 geplant. Die Trainingsstartbahn hinter dem Maschinenhaus könne bereits seit Mitte Juli 2025 wieder vereist werden. „Ein erster Trainingsslot auf Eis ist Mitte August 2025 angesetzt“, so Kern.

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Zum weiteren Vorgehen teilte er mit, dass nun eine „komplexe juristische Prüfung“ unter anderem klären soll, inwiefern die im Projekt beauftragten Fachexperten eine detailliertere Prüfung der Kältemittelleitung im unteren Bereich vor Beauftragung der Kälteanlagenfachfirma hätten in Betracht ziehen, empfehlen und durchführen müssen. „Die Gremien werden selbstverständlich über die Ergebnisse informiert“, sagte er zum Kreistag. Sobald diese vorliegen, „werden wir entsprechende Konsequenzen ziehen, um eine schnelle und sichere Inbetriebnahme der Bahn unter Einhaltung des Kostenrahmens zu gewährleisten und bei möglichen festgestellten Versäumnissen Schadensansprüche anmelden“.

Großer Redebedarf im Gremium

Eigentlich wollte der Landrat seine Stellungnahme dem Gremium nur zur Kenntnisnahme vortragen, doch schnell stellte sich heraus, dass es noch großen Redebedarf gibt. „Ich bin richtig sauer“, sagte beispielhaft Armin Novak (FDP). „Es gehört doch bei einer Sanierung dazu, dass der Bestand überprüft und nicht einfach losgelegt wird.“ Die juristische Überprüfung lobte er, denn: „Es ist nicht einzusehen, dass der Landkreis auch nur einen Cent dafür ausgeben soll, wenn die Kosten steigen.“

Vor allem die Grünen nutzten die Gelegenheit, eine Aufarbeitung der Geschehnisse zu fordern. Gleich mehrmals bezeichnete Bartl Wimmer die Vorgänge als „inakzeptabel“. Er meinte: „Das Einzige, das planerisch beim Wiederaufbau der Bahn größere Relevanz hat, ist die Kälteleitung. Der Rest ist eigentlich Kinderfasching, weil es sich um eine Wiedererrichtung im Bestand handelt.“ Wimmer fragte sich, wozu man überhaupt einen Projektsteuerer beauftrage, wenn dieser seiner Aufgabe nicht nachkomme, auf ein solches Problem hinzuweisen.

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„Nicht einzusehen, wie kleinkariert das abgelaufen ist“

„Die Aufarbeitung kann mit dem heutigen Tag nicht beendet sein“, sagte er und bat darum, nicht nur vor der eigenen Tür zu kehren, sondern auch die Regierung von Oberbayern daran zu erinnern, „dass sie über Bundesmittel verfügt und nicht hoheitlich agieren kann, wie sie will“. Auch das habe zur Verzögerung beigetragen und deshalb müsste der Ablauf mit Bund und Land durchdiskutieren werden. „Das ist nicht einzusehen, wie kleinkariert das abgelaufen ist“, so Wimmer, der eine juristische Überprüfung auf Schadensansprüche begrüßte.

Elisabeth Hagenauer (Grüne) wollte wissen, warum Landrat Kern im Juni dem Kreisausschuss noch mitgeteilt habe, dass alles bestens sei und nach Plan verlaufe. „Die Probleme mit den Leitungen standen doch früher fest“, merkte sie an. Kern versicherte, nichts Falsches behauptet zu haben, und wiederholte, dass sich erst am 11. Juli herausgestellt habe, dass es mit der Wiederinbetriebnahme im Herbst 2025 nichts werde.

„Auch für uns als Kreistag ist das brüskierend“

Hans Metzenleitner (SPD) stufte die Entwicklung als „für uns alle blamabel“ ein. Es sei ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden, weil Tausende Übernachtungen storniert wurden. Hinzukomme der Imageschaden für den Landkreis, „auch für uns als Kreistag ist das brüskierend“. Aber für den Rodler- und Bobnachwuchs ist der größte Schaden entstanden, betonte er. Für Metzenleitner ist klar, dass nicht die Landkreisverwaltung und auch nicht der Kreistag die Verantwortung tragen. Als Gremium sei man schließlich auf eine bestmögliche Fachexpertise bei der Entscheidungsfindung angewiesen. „Und die Zauderer und Zögerer sitzen nicht im Berchtesgadener Land“, machte er seine Sicht der Dinge klar.

Während Manfred Hofmeister (BLR) um eine frühzeitige und transparente Information der weiteren Vorgänge bat, gehörte das letzte Wort Hannes Rasp (CSU). Als Bürgermeister von Schönau am Königssee sei er mit der Situation alles andere als glücklich. „Es wird eine Zeit für die Aufarbeitung geben, aber unser Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, dass wir im Herbst 2026 wirklich wieder starten können. Das Wichtigste ist der Betrieb und dass wir den Schaden begrenzen.“ (ms)

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